SOS-Kinderdorf in Bosnien und Herzegowina


SOS-Kinderdorf hat während des Krieges im Jahr 1994 Kontakt zu den bosnischen Behörden aufgenommen. SOS-Kinderdorf begann mit einem Nothilfeprogramm für kriegsgeschädigte Familien. Nach Ende des Krieges konzentrierte sich die Arbeit von SOS auf eine langfristige Unterstützung der lokalen Bevölkerung. SOS-Kinderdorf ist mittlerweile an sechs Standorten in Bosnien-Herzegowina vertreten und unterstützt Kinder, Jugendliche und Familien.

Ein Land im Herzen Balkans

SOS-Familie beim Mittagessen (Foto: S.Gubelic).

Bosnien-Herzegowina liegt auf der Balkanhalbinsel im Südosten Europas und grenzt im Norden und Westen an Kroatien sowie im Süden und Osten an Serbien und Montenegro. Die Hauptstadt Sarajewo hat ca. 300,000 Einwohner.

Die Bevölkerung beläuft sich auf 3,3 Millionen Einwohner, davon sind fast die Hälfte Bosniaken, ein Drittel Serben und ca. ein Fünftel Kroaten. Kinder unter 18 Jahren machen fast ein Fünftel der Bevölkerung aus. Ungefähr zwei Fünftel der Bevölkerung sind Muslime, ein Drittel serbisch-orthodox und 15 Prozent römisch-katholisch.

Erholung vom Kriegsgeschehen

Bosnien-Herzegowina ist immer noch damit beschäftigt, sich vom Krieg der neunziger Jahre zu erholen. Bei Kriegsende waren die Infrastruktur und die Wirtschaft zerstört, und zwei Millionen Menschen waren vertrieben worden. Die Versorgung mit Wasser und Elektrizität musste wieder hergestellt und Schulen, Häuser und Straßen wieder aufgebaut werden. Die Arbeitslosenquote wird immer noch auf extrem hohe 37 Prozent geschätzt (2019, Schätzung). Junge Menschen, Frauen, Menschen mit Behinderungen und Roma sind am meisten von der Arbeitslosigkeit betroffen. Die meisten Erwerbstätigen arbeiten im Dienstleistungssektor, auch in der Industrie und in der Landwirtschaft gibt es Arbeitsplätze.

Nach offiziellen Schätzungen leben ungefähr 17 Prozent der Bevölkerung unterhalb der staatlich festgelegten Armutsgrenze. Menschen in ländlichen Gebieten sind besonders häufig von Armut betroffen. Die am meisten unter Armut leidenden Haushalte sind diejenigen mit drei und mehr Kindern sowie Flüchtlinge und Vertriebene.

Das Gesundheitssystem und das Bildungswesen fallen in die Zuständigkeit verschiedener behördlicher Ebenen und sind nach wie vor ineffizient. Viele Menschen, vor allem in ländlichen Gebieten, haben keinen Zugang zur Gesundheitsfürsorge.

Kinder brauchen Schutz

Spielen im Freien (Foto: K. Ilievska).

Viele der armen und hilfsbedürftigen Kinder stammen aus benachteiligten Gruppen aufgrund ihrer ethnischen Abstammung, ihrer Religion, einer Behinderung, ihres Geschlechts oder aufgrund der Kluft zwischen Stadt und Land. Kinder, die während des Krieges intern vertrieben worden waren und Kinder mit Behinderungen machen den größten Teil der hilfsbedürftigen Kinder aus.

Es gibt zwar ein ausreichendes Angebot an Grundschulen, aber einige Bevölkerungsgruppen haben nur begrenzte Zugangsmöglichkeiten. Kinder in ländlichen Gebieten gehen seltener zur Schule. Die Kinder der Roma sind oft vom Schulbesuch ausgeschlossen, weil sie nicht behördlich gemeldet sind.

Junge Menschen haben nicht viele Möglichkeiten, eine weiterführende Berufsausbildung zu absolvieren. Wenn sie außerdem aus sozial benachteiligten Schichten kommen und wenige Qualifikationen und Erfahrung mitbringen, sind ihre Aussichten noch geringer.


SOS-Kinderdorf in Bosnien-Herzegowina

SOS-Kinderdorf wurde im Juni 1994 in Bosnien-Herzegowina tätig.

Familien stärken: Wir arbeiten mit lokalen Organisationen und den Gemeinden, um gefährdete Familien zu unterstützen und sie vor Zerrüttung zu bewahren. Wir stellen sicher, dass die Kinder die Schule besuchen können und Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Wir bieten auch juristische und psychologische Unterstützung für die Familien.

Betreuung in Familien: Kinder, die nicht mehr bei ihren Familien leben können finden in den SOS-Kinderdorf-Familien ein liebevolles Zuhause. Sie wachsen gemeinsam mit ihren Geschwistern auf und werden von SOS-Kinderdorf-Eltern betreut. Die Pflegefamilien wurden von SOS-Kinderdorf ausgewählt und ausgebildet, um sicherzustellen, dass die Kinder nach den höchsten Standards von SOS-Kinderdorf betreut werden. Somit erhalten die Pflegefamilien kontinuierlich soziale und emotionale Unterstützung von uns.

Soweit es möglich ist, versuchen wir die Kinder in ihre Herkunftsfamilien zurückzuführen.

Bildung: Wir bieten Betreuung für Kinder aus gefährdeten Familien vor Ort. Im Herbst 2003 wurde das Spielbus-Projekt ins Leben gerufen. Hier können Kinder an kreativen Spielen teilnehmen, werden über ihre Rechte aufgeklärt und müssen weniger Zeit auf der Straße verbringen. Familien aus der umliegenden Gemeinde sind bei der Planung und Durchführung dieser Angebote aktiv beteiligt.

Unterstützung für junge Menschen: Für Jugendliche ist es in Bosnia-Herzegowina schwer, selbständig zu werden. Wir bieten praktische und psychologische Unterstützung für junge Menschen während ihres Studiums, damit sie ihre Fertigkeiten verbessern können. Wir arbeiten mit örtlichen Firmen in der Region zusammen, um jungen Menschen Zugang zu Praktika, Stipendien und Berufsausbildung zu ermöglichen.


Website von SOS-Kinderdorf Bosnien und Herzegowina
(verfügbar auf Bosnisch/Kroatisch und Englisch)

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